50 Jahre FIDENA – ein Blick in die Geschichte des Festivals

Nicht ganz so alt wie die Kunst des Puppenspiels, die es gut und gern auf ein paar Jahrtausende bringt, aber immerhin ein halbes Jahrhundert, so alt wird das Bochumer Festival „Figurentheater der Nationen – FIDENA“ in diesem Jahr.

Und ist - wie das Genre selbst - noch so aktuell und frisch wie eh und je: ästhetisch provozierend, erschütternd witzig, frech und streitbar, poetisch verspielt oder von konzeptioneller Schärfe. Die FIDENA ist mit ihrem Programm auf hohem Niveau ein Gradmesser für aktuelle Tendenzen. Das hat Tradition:

Zu einer „Vorstellungsreihe hervorragender deutscher und ausländischer Bühnen – Meister des Puppenspiels“ lud Fritz Wortelmann, der Leiter des Deutschen Instituts für Puppenspiel, im November 1958 zum ersten Mal nach Bochum ein. Puppenspieler aus Moskau, Paris, Ostberlin und Stuttgart nahmen teil. Damit war der Grundstein gelegt für das inzwischen als „Figurentheater der Nationen – FIDENA“ weltweit renommierte Festival. Die Gastspiele aus Frankreich und der damaligen UDSSR entsprachen dem Wunsch nach Wiederannäherung und Aussöhnung. Im Kontext des Kalten Krieges gab man ein deutliches Zeichen der Überwindung ideologischer Gräben.



Die Reihe bedeutender Künstler, die seit den 50er Jahren in Bochum gastierten, ist schier endlos. Sie reicht von großen Solisten wie Walter Büttner, Frieder Simon und Albrecht Roser, Bühnen wie die Augsburger Puppenkiste und frühen Experimentierern wie Yves Joli über renommierte Ensembles aus Warschau oder Stockholm, traditionelle Puppenspieler aus Java und Malaysia, die Hand Spring Puppet Company aus Südafrika, Hoichi Okamoto aus Japan und Roman Pasca aus den USA, über die Stars des europäischen Objekttheaters wie Gyula Molnar, bis hin zu medialen Performances (Stelarc), großem Bildertheater, (Andriy Zholdak), spannenden Grenzgängen zwischen den Künsten (Robert Lepage) oder Vorstellungen, in denen die Zuschauer in einer interaktiven Installation selbst zum Protagonisten werden.

Die Brücke in die Vergangenheit schlägt nicht nur die Erinnerung – einige der im Jubiläumsprogramm gastierenden Künstler sind selbst ein Stück „Festivalgeschichte“. Seit Anfang der 80er Jahre zeigt Neville Tranter seine virtuosen Produktionen auf der FIDENA, nun ist er erstmals mit einer Uraufführung vertreten. Zu den Stammgästen des Bochumer Festivals gehören auch der Bildende Künstler Roland Shön oder die belgische Tanzkompanie Mossoux-Bonté – sie alle und viele andere trugen immer wieder zum Erfolg des Festivals bei. Wie auch Piccoli Principi aus Italien – sie zeigen in diesem Jahr eine Hommage an die Moskauer Theaterlegende Sergeij Obraszow. Er war der gefeierte Überraschungsgast des ersten internationalen Puppentheaterfestivals in Bochum 1958! Eine schöne Verbindung von Geschichte und künstlerischem Aufbruch am Ende unseres Jubiläumsfestivals, das wir gemeinsam mit Künstlern und Zuschauern feiern wollen.

Ihnen, den Künstlern, den Zuschauern und natürlich den ehemaligen Festivalleitern Fritz Wortelmann, Jürgen Klünder und Silvia Brendenal, gilt unser Dank für 50 Jahre Festivalgeschichte: 50 Jahre Avantgarde-Theater auf der einen und 50 Jahre Neugier und Begeisterung auf der anderen Seite. Auch den Politikern und Förderern, die diese Allianz wachsen ließen, die die erstaunlichen Entwicklungen des Festivals von den Anfängen bis heute so vertrauensvoll und tatkräftig unterstützten, gilt heute ausdrücklich unser herzlichstes DANKESCHÖN!!

Annette Dabs sowie Vorstand
und Team des Deutschen Forums für Figurentheater
und Puppenspielkunst e.V.